Ferienspaß mit Wissenschaft und Technik: Eine Reportage
Entspannen, verreisen und vor allem nicht lernen - das ist das, was die meisten mit Ferien in Verbindung bringen. Nicht so die rund 180 Kinder und Jugendlichen, die in diesem Jahr an den Sommerakademien 2011 am Haus Overbach teilgenommen haben. Bei insgesamt sieben verschiedenen Veranstaltungen nutzten sie die Freizeit, um ihre Interessensgebiete zu erforschen. Sonja Gröntgen, ehemalige Schülerin des Gymnasiums Haus Overbach, begleitete die Teilnehmer bei ihren Aktivitäten in Overbach und der Region.
Spitzenschüler aus NRW zu Gast
„Die Akademie ist das, was du daraus machst" lautet das Motto der diesjährigen JuniorAkademie NRW in Haus Overbach. Zehn Tage lang haben 54 hochbegabten Acht- und Neuntklässler die Möglichkeit, sich im Bereich der Astronomie, der Kryptologie und der Mechatronik auszutoben. „Wir waren anfangs geschockt über unser Tagesprogramm", so ein Teilnehmer über seinen ersten Eindruck. Schon vor dem Frühstück joggen einige um den Barmener See. Ab neun Uhr beginnt dann das Bildungsprogramm. Roboter werden gebaut, eine Alarmanlage installiert oder codierte Nachrichten mithilfe verschiedener Techniken ent- und verschlüsselt. Wissen zum Sonnensystem, zu einzelnen Planeten und Kometen wird ausgetauscht. Eine Exkursion führt sie zum Radioteleskop Effelsberg in der Eifel. „Es macht einfach Spaß. Besonders freuen sich alle auf die Arbeit.“ beschreibt Philipp aus Dortmund die Atmosphäre. Nur harte Arbeit? Von wegen! Die „fast-erwachsenen-Jugendlichen“, wie sie sich augenzwinkernd nennen, haben in unterschiedlichsten kursübergreifenden Angeboten die Chance, einander näher kennenzulernen und über den Tellerrand zu schauen. Angeboten werden eine Theater-AG, einen Akademiechor und Sportkurse. Die Teilnehmer selbst werden auch aktiv, um den anderen in eigenen Kursen ihre Hobbys vorzustellen. Ob Tischtennis, Jump-Style, Skat oder Fotografieren: hier kommt jeder auf seine Kosten. „Die machen alles mit“, äußert der Sportkoordinator begeistert. In der Abschlussveranstaltung werden die Erlebnisse kreativ und humorvoll vermittelt. In Theateraufführungen, Musikdarbietungen und Filmvorträgen lassen die Teilnehmer die zehn Akademietage Revue passieren. Die angereisten Eltern, Großeltern und Geschwister staunen nicht schlecht. Am Ende tosender Applaus, Abschiedstränen und viele tolle Erinnerungen - es war einfach eine spitze Akademie für Spitzenschüler!
Kleine Forscher, große Neugierde
Dreißig Kinder der Katholischen Grundschule Passstraße sowie der Schule am Fischmarkt im Aachener Ostviertel nutzen die Sommerferien ebenfalls, um in einem zweiwöchigen Programm die gesamte Region zwischen Aachen und Düren zu erkunden. So kommen sie auch in das Science College Overbach. Hier lernen die Sieben- bis Neunjährigen zum Einen auf spielerische Weise die Arbeit mit Mikroskopen kennen. Akustikexperimente machen Schallwellen spürbar und regen an, den Aufbau des menschlichen Ohres zu erforschen. Vor allem letzteres führt bei manchen Kindern zu Befremden. „Ich will nicht sowas Ekliges im Ohr haben“, so eine Schülerin leicht trotzig als sie ein Ohrmodell zusammenpuzzelt. Auf die Frage, ob es ihnen schwer falle, ihre Ferien im Klassenverband zu verbringen, antworteten sie alle jedoch mit einem klaren Nein. Und schon stürmen sie nach einer kurzen Pause wieder an die Geräte. Die Neugierde der kleinen Forscher ist nicht zu bremsen.
Entdeckungstour im Dreiländereck
„Willkommen beim Talk im Energeticon Alsdorf, wo wir heute über das umstrittene Energieholz diskutieren“, begrüßt Katharina die Gäste ihrer Talkshow. Um sie herum sitzen fünf Jugendliche, die in diesem Rollenspiel als Fachleute aus Forstwirtschaft, Gewerbe oder Wissenschaft agieren. So werden sowohl Faktenwissen, als auch soziale Kompetenzen vermittelt. Katharina ist eine von insgesamt zehn Schülerinnen und Schülern zwischen 13 und 16 Jahren, die am Forschercamp "Wald" teilnehmen. Die fünftägige Veranstaltung für Jugendliche aus der ganzen Euregio Maas-Rhein wurde vom Verein für außerschulische Lernorte exploregio.net e.V. initiiert und vom Forschungszentrum Jülich koordiniert. Das Programm ist sehr abwechslungsreich: Neben einem Abenteuerworkshop zum Thema "Wald & Mensch" in Overbach, dem Besuch des JuLab im Forschungszentrum Jülich sowie dem Nationalpark Eifel wird auch der Tagebau Garzweiler und das Energeticon in Alsdorf besichtigt. Den Abschluss bildet ein Wasser-Workshop im Naturzentrum Ternell, gelegen im Hohen Venn, dem belgischen Hochmoor. Dabei legen die Schüler ein erstaunliches Interesse an den Tag. Der Strom von Fragen und von Aussprüchen wie „Boah“ oder „Krass“ ist schier endlos. So ist es kein Wunder, wenn abends alle müde nach Overbach zurückkehren.
Robotern auf der Spur
Roboter programmieren und zusammenbauen ist ein ganz besonderer Ferienspaß für Jungen und für Mädchen. Die LernFerien NRW in Jülich bieten hierfür ausreichend Freiraum. Haupt- und Realschüler aus der gesamten Region haben sich deshalb für eine Woche in Overbach einquartiert. Im Fokus steht jedoch auch die Berufsorientierung. In Workshops Rollenspiele zur Bewerberauswahl durchgeführt und bei Betriebserkundungen werden Tipps für die Bewerbungsverfahren gegeben. Nach Aussage von Herrn Plum, dem Kursleiter, fordert der Robotik-Workshop vor allem auch die Teamfähigkeit der Jugendlichen heraus. Diese wird bei einem Ausflug in den Hochseilklettergarten des Brückenkopfparks Jülich auch direkt auf die Probe gestellt. Beim Sternegucken auf der Freiklasse des Science Colleges oder im Kunstworkshop gibt es Gelegenheit neue Interessen zu entfalten. Statt Wehmut bei der Abschlussveranstaltung, kommt Vorfreude bei einigen Jugendlichen auf: „Wir kommen ja in den Herbstferien wieder."
Kompass für die Studienwahl
„Künstliche Intelligenz“, „Gehirn und Sprache“, „Bildgebende Verfahren“ - diese Titel sind nur ein Auszug aus dem Programm der Overbacher Ferienakademie Hirnforschung. Oberstufenschülerinnen und -schüler aus dem gesamten Bundesgebiet löchern die, nach Overbach angereisten Expertinnen und Experten. Besuche am Forschungszentrum Jülich und an RWTH-Instituten geben einen Vorgeschmack auf Studium und Forschung. Amelie aus Berlin nutzt die Akademie zur Berufsorientierung. Sie überlegt nach der Schule Medizin zu studieren. Auch die meisten anderen sehen ihre berufliche Zukunft im naturwissenschaftlichen und medizinischen Bereich. In der Disziplin Mathematik brüten weitere 25 Jugendliche vier Tage lang über Aufgaben zum Thema „Vom Lotfällen bis zum JPEG-Format“. „Dadurch, dass wir hier viel am Computer arbeiten, ist das ganz anders als im Schulunterricht“, so eine Teilnehmerin über das Besondere an der Akademie. Akademiepartner ist die RWTH Aachen. Die Strategie lautet, alles zu unternehmen, um die hohen Studienabbrecherquoten in den MINT-Studiengängen zu verringern, erläutert der MINT-Koordinator der RWTH, Herr Hartjen. Die Akademie bietet den zukünftigen Abiturienten die Chance, ihre Stärken und Schwächen in der Mathematik festzustellen. Ein Englisch-Camp rundet das Ferienangebot in Haus Overbach ab. Kinder ab der sechsten Klasse festigen ihre Englischkenntnisse. Rund um das Thema „America“ suchen sie nach Gesellschaftskritik in der amerikanischen Serie „Die Simpsons“, schreiben selbst ein Drehbuch oder üben sich als Touristenführer. Alle freuen sich schon auf die Angebote in den Herbstferien.




